Wegekreuze


Wir bitten
in dieser
friedlosen Zeit um den Frieden!
Für die Welt und ihre Völker.
Für die Länder
und ihre Menschen.
Für uns selbst
und unsere Herzen.

Dazu segne uns Gott der Allmächtige,
der Vater, der Sohn
und der Heilige Geist.
Amen

 

 

Frater Guido
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Wo wohnt Gott?

In meiner langjährigen Tätigkeit in  der Ev. Kirche hatte ich einmal ein Erlebnis, das mich zutiefst durchrüttelte.
Ich war in unserer 900 Jahre alten Kirche mit Renovierungsarbeiten beschäftigt. Im Laufe eines Vormittags stand plötzlich eine Lehrerin mit vielen Erstklässlern vor mir und fragte mich, ob es mich störte, wenn sie den Kindern einiges von der Kirche erzählen würde.
Selbstverständlich war das überhaupt kein Problem, so konnte ich mithören, wie sie versuchte, den Kindern etwas von der Geschichte dieses alten Bauwerks mitzuteilen.

Solch eine Schulklasse bringt natürlich Leben in ein altes Gotteshaus, so war es dann auch ganz natürlich, dass es ein wenig lauter wurde, wie es sonst selten in einer Kirche ist. Warum auch nicht? Lärm heisst auch Leben! Ich finde dabei, dass traurige und innerlich vereinsamte Gesichter das tägliche Einerlei in kirchlichen Räumen darstellt. Warum eigentlich? Was hindert uns daran, in einer Kirche zu lachen? Ist unsere Religion so traurig, dass wir die Fröhlichkeit draussen vor der Tür lassen müssen?

Nun, jedenfalls waren diese Kinder alles andere als traurig, sie lachten und fragten lautstark nach vielen Dingen, die sie anscheinend noch nicht kannten. Für mich war das ein gutes Zeichen.
Bis dann- ja - bis auf einen lauten und erstaunten Ausruf eines kleinen Mädchens die Lehrerin ziemlich barsch um Ruhe bat. Ich staunte über die Worte, die ich dann hörte.

»Dies ist das Haus Gottes! Hier lärmt man nicht herum!« Dann legte sie einen Finger an die Lippen: »Schscht!«
Jetzt wurde ich doch aufmerksam, mich interessierten schon die Antworten, die ich dann hörte.
Das kleine Mädchen fragte jetzt leise:
»Wohnt hier der liebe Gott?«
Die Kinder drängten sich um die Lehrerin, um ihre Antwort zu hören.
»Ja«, sagte diese dann, »Hier ist Gott zu Hause! Und der mag es gar nicht, wenn Kinder in seinem Haus so lärmen!«
Von nun an sprachen die Kleinen nur noch leise, trauten sich noch nicht einmal mehr zu lachen.

Ich war entsetzt über ihre Schlussfolgerung und ganz gegen meine sonstige Art, mich aus solchen Diskussionen herauszuhalten, musste ich mich einfach einmischen!

Ich schlenderte zu dieser Kindergruppe hinüber: »Nun sollten wir diese Märchenstunde beenden«,  sagte ich dann, »was Eure Lehrerin da erzählt, ist so nicht richtig!«

»Mischen Sie sich nicht ein«, meinte diese dann, »das geht Sie überhaupt nichts an!«
Ich fragte dann, ob sie Religionslehrerin wäre und als sie dies verneinte, bat ich um Erlaubnis, etwas zu diesem Thema zu sagen. Etwas widerstrebend gab sie mir dann die Erlaubnis.

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Gott wohnt also in der Kirche. Er ist zu Hause in einem musealen Gebäude, das schon in der Vergangenheit dazu diente, Gott anzubeten, ihm zu Ehren zu singen und zu predigen? Oder etwa in einem fortschrittlich gestalteten Bauwerk, das von modernen Architekten avantgardistisch geplant wurde und meist etwas fremd in irgendeinem Teil der Stadt steht, sechs Tage in der Woche leer und nur am Sonntag mehr oder weniger Besucher beherbergt.

Gott ist in der Kirche daheim! Welch eine Schlussfolgerung. Welch ein armseliger Gott wäre das doch, der dort in muffigem Gemäuer lebt, der in nichtssagenden Räumen zu Hause ist, die nichts aussagen über das Wesen Gottes. Was wäre das für ein Gott, den man dort einschliessen könnte, um sich an mehr oder weniger festen Tages- bzw. Öffnungszeiten anrufen oder anbeten liesse!

Was ist das für ein Glaube, der so etwas zulässt? Können wir dann behaupten, wir wären gläubige Menschen? Ich denke, das lässt sich nicht mit unserer Religion vereinbaren. Gott der Herr, den wir unseren Vater nennen, lebt in einem Gebäude, das extra für ihn gebaut wurde? Kann ein denkender Mensch solch eine Aussage überhaupt nachvollziehen? Es ist ein Unding diese Feststellung zu treffen, dennoch begegnen wir immer wieder - auch in unserem aufgeklärten Zeitalter - solchen Ansichten.

Wenn atheistische Mitmenschen behaupten, es gäbe überhaupt keinen Gott, so kann dies niemand real widerlegen. »Jeder soll nach seiner Façon selig werden«, sagte einst Friedrich II., der Preussenkönig.
Sei es, wie es ist, mit dem Glauben an Gott werden wir immer wieder auf Gegenargumente stoßen. Aber wenn gläubige Christen sich aus Bequemlichkeit dazu verleiten lassen, Gott in eine Kirche einzusperren und ihn dort »wohnen« zu lassen, dann grenzt das schon an Überheblichkeit!

Für mich ist Gott überall, in der Natur, in mir selbst, in der Unendlichkeit des Universums! Diese Meinung wird mir kein Mensch streitig machen können. Es ist schön, solch ein historisches Gebäude anzuschauen, das ist völlig richtig, für eine Zwiesprache mit Gott aber brauchen wir es nicht.
Gott wohnt nicht in der Kirche, diesem Versammlungsraum für Gläubige - er wohnt tief in uns!

 

Herr
ich will zu Dir rufen
Ohne Wenn und Amen
ich will beten,
Wörter suchen,
Fragen stellen,
Sätze sagen
Und noch mehr.

In jedem moment:
überall, wo ich bin.
Voll Überraschungen,
Dich täglich neu erleben,
Wissen,
Nähe und Ferne,
Höhen und Tiefen,
das Leben.fühlen

Mir fehlen die Worte,
und ich bete trotzdem,
gebe Dir Antwort, Herr,
ganz leise,
unbeholfen.
Das sind vielleicht
die entscheidenden
Augenblicke
Meines Lebens?